Workshop-Phase 1 – Freitag, 10. August 9:00-12:00

Geschlecht im globalen Kapitalismus: Über Grenzen und Möglichkeiten globaler Schwesternschaft

Ob in Spanien oder den Vereinigten Staaten, in Brasilien, Spanien oder Westkurdistan/Rojava – weltweit stechen feministische Kämpfe als die dynamischsten Bewegungen der globalen Linken hervor. Während es natürlich in diesen unterschiedlichen Kontexten jeweils eigene Gründe für Widerstand und Organisierung gibt, ist die Frage danach inwieweit diesen Kämpfen weltweit ebenfalls etwas Gemeinsames zu Grunde liegt – etwa der Kampf gegen ein globales Patriarchat und den globalen Kapitalismus – zentral.

Ziele des Workshops sind, den abstrakten wie konkreten Zusammenhang von Patriarchat und Kapitalismus in globalen Dimensionen zu verstehen. Davon ausgehend wollen wir die Möglichkeiten und Grenzen feministischer Kritik und globaler Solidaritäten diskutieren.

Zwischen Ursprungsmythos und Dekonstruktion : Zur kritischen Theorie der Natur

Fragen der Ökologie waren lange Zeit ein blinder Fleck in der linken Bewegungsgeschichte. Zwar sprach Karl Marx schon im ersten Band des Kapitals davon, dass der Kapitalismus die Arbeiter_innen und die Natur untergräbt, es dauerte allerdings sehr lange, bis diese frühe Einsicht in den Zusammenhang von sozialer und ökologischer Frage zum Thema für die Linke werden sollte. Im orthodoxen Marxismus der zweiten und dritten Internationale dominierte dagegen ein ‚Produktivismus‘, der ungebremste technische Entwicklung, ohne Rücksicht auf die natürlichen Lebensbedingungen der Menschen, zur Maxime machte. Erst die neuen sozialen Bewegungen im Anschluss an die Studierendenbewegungen um das Jahr 1968 brachten die ökologische Frage ins Zentrum der linken Debatten. In diesem Zusammenhang wurde auch versucht, Erkenntnisse aus dem Marxismus und der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule für die ökologische Bewegung nutzbar zu machen.

Im Workshop soll es darum gehen, diese Versuche, einen linken Naturbegriff im Rahmen einer kritischen Gesellschaftstheorie zu entwerfen, zu diskutieren. Was ist Natur? Wie verhält sich Natur zu Gesellschaft und wie ist es um das Verhältnis von Kapitalismus und Naturausbeutung bestellt? Antworten auf diese Fragen sollen im Workshop gemeinsam erarbeitet werden.

Die Verhältnisse zum Tanzen bringen: Eine Einführung in die Kapitalismuskritik

In Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise hat Kritik am heutigen Wirtschaftssystem es im letzten Jahrzehnt bis in die bürgerlichen Medien geschafft. Die globale Ungleichheit nimmt weiter zu, auch in den höchst produktiven kapitalistischen Zentren arbeiten viele Menschen unter prekären Bedingungen und zunehmendem Leistungsdruck, natürliche Ressourcen werden weltweit vernichtet und die ökologischen Schäden werden täglich deutlicher sichtbar.

Doch wie und inwiefern hängen diese Entwicklungen mit unserem heutigen Wirtschaftssystem zusammen? Was hat das mit Kapitalismus zu tun? Was sind die grundsätzlichen Funktionsmechanismen der kapitalistischen Produktionsweise und was hat das mit Wachstum, Krise und Ausbeutung zu tun? Um über diese Fragen gemeinsam zu diskutieren, wollen wir uns in dem Workshop der Kapitalismusanalyse von Karl Marx und einer daran anknüpfenden Kritik der jetzigen Wirtschaftsordnung widmen.

Die Veranstaltung richten sich an Interessierte ohne Vorkenntnisse.

Valeria Bruschi ist seit vielen Jahren in der politischen Bildung aktiv und teamt Lektürekurse sowie Einführungsveranstaltungen zur Kritik der politischen Ökonomie. Sie unterrichtet zudem Deutsch als Zweitsprache an Asylbewerber_innen.

Wurde die Umweltzerstörung nur ausgelagert? Von der imperialen Lebensweise und unserer Externalisierungsgesellschaft

Mehr Infos zu diesem Workshop folgen.

Workshop-Phase 2 – Samstag, 11. August 14:30-18:00

Auf der Flucht: Wenn der Klimawandel Lebensgrundlagen zerstört

Die Auswirkungen des Klimawandels treiben Millionen von Menschen in die Flucht. Die Folgen sind nicht zu unterschätzen. Viele Weltregionen sind davon betroffen. Die Ausmaße, jedoch spüren die Ärmsten der Armen, die  aufgrund der europäischen Politik hilflos ausgeliefert sind. Während hierzulande rassistische Demonstrationen gegen sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge stattfanden und die Politik mit der Abschaffung des Asylrechts beschäftigt war, lief parallel unter anderem der deutsche Waffenexport und die europäische Piraterie an den Küsten des Kontinents Afrikas weiter.

Der Workshop bietet einen Einblick in den Zusammenhang europäischer Politik und der weltweiten Flucht. Welche Regionen der Welt sind betroffen? Was bedeutet das und was können wir tun? Mit all diesen Fragen möchten wir uns zusammen mit Serçe Öznarçiçegi im Rahmen dieses Workshops beschäftigen und gemeinsam diskutieren. Serçe Öznarçiçeği studiert Geschichte und Jüdische Studien an der Heinrich – Heine Universität Düsseldorf und ist langjährige Trainerin des Netzwerk für Demokratie und Courage.

Eine ökologische Wende des Kapitalismus? Zur Kritik am Green New Deal

Als die Grünen vor einiger Zeit das Konzept eines »Green New Deal« für die neue Einheit von Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik vorstellten nach dem weltweiten Crash des Neoliberalismus im Zuge der Finanzkrise, war ihnen Spott nicht nur aus der marxistischen Ecke gewiss. Eine Neuauflage des Modells nach der einen und vor der anderen Krise. Statt sich an den ständig wechselnden Detailfragen abzumühen, versucht der Vortrag aber eher substanziellen Mehrwert zu schaffen und sich die Frage zu stellen, ob wir nicht längst im Post-Neoliberalismus leben und warum das Kapital den Fragen von Diversity, Umweltschutz und Nachhaltigkeit zunehmen affirmativ gegenüber steht – und die Antwort keinesfalls Greenwashing lautet.

Philipp Eichhorn ist Soziologe, der derzeit aber fachfremd in Wien arbeitet und widmet sich seit Jahren Fragen der Bewusstseinsbildung und -geschiche, des deutschen Imperialismus und marxistischer Umweltschutzkritik.

Die kurdische Bewegung: Ein Vorbild für den emanzipatorischen Aufbruch?

Wenn wir für eine global gerechte Welt kämpfen, dann tun wir das nicht nur für ein Land oder einen Verwaltungsbezirk. Wir wollen mit unserer Politik die Welt verändern. In diesem Workshop wollen wir uns damit auseinandersetzen, warum es sich trotzdem lohnt für transnationale Anliegen zu kämpfen. Und damit wo die politische Linke in den globalen Auseinandersetzungen steht: Was können wir von denen lernen, die versucht haben Utopien zu verwirklichen? Was müssen wir tun, um eine globale emanzipatorische Linke zu stärken? Lasst uns am Beispiel der kurdischen Freiheitsbewegung darüber reden, wie wir zur gerechten und ökologischen Welt kommen!

Umverteilung oder Fortführung der Ausbeutung? Was kann Entwicklungspolitik leisten?

Entwicklungszusammenarbeit ist innerhalb der gesellschaftlichen Linken ein umstrittenes Feld. Während die einen Entwicklungszusammenarbeit als Möglichkeit für globale Umverteilung und soziale Abfederung in einer Welt krasser Ungleichheiten begreifen, sehen andere darin wenig mehr als eine Form neo- oder postkolonialer Unterdrückungsverhältnisse, welche die herrschende kapitalistische Weltordnung stabilisiert und reproduziert. Ziel des Workshops ist es sich diesem scheinbaren Widerspruch intersektional-kritisch anzunähern und innerhalb eines entwicklungsskeptischen Ansatzes die Frage nach subversiven Potentialen der Entwicklungszusammenarbeit aufzuwerfen. Dafür werden wir uns zunächst mit der Geschichte der Entwicklungszusammenarbeit beschäftigen um darauf aufbauend aktuelle Debatten um die ‚Sustainable Development Goals‘ der Vereinten Nationen im Bezug auf ihr Verhältnis zu globalen Kämpfen zu analysieren.